Wenn Feldpraxis auf moderne ZfP trifft
Das Projekt „Rheinwassertransportleitung“, über das wir bereits in diesem Beitrag berichtet haben, ist eines der zentralen Infrastrukturvorhaben im Rheinischen Revier. Dabei kommen Stahlrohre mit Durchmessern von bis zu 2,20 m zum Einsatz.
Für die zerstörungsfreie Prüfung (ZfP) solcher Schweißverbindungen reicht Standardtechnik allein nicht immer aus. Wir setzen bei diesem Projekt deshalb auf ein von uns modifiziertes Prüfsystem, das moderne Ultraschallverfahren wie Phased Array und TOFD mit einer robusten, baustellentauglichen Rover-Lösung verbindet.

Der modifizierte Prüfrover im Einsatz.
Vom Magnetcrawler zum Prüfrover für die Pipelineprüfung
Ausgangspunkt ist ein magnetischer, ferngesteuerter Rover, der direkt auf dem ferromagnetischen Stahlrohr fährt. Während klassische Systeme häufig mit Ringen, Ketten oder Schienen arbeiten, die um das Rohr montiert werden, nutzt diese Lösung magnetische Räder und eine lenkbare Plattform.
Damit aus einem flexiblen Magnetcrawler ein zuverlässiges Pipeline-Prüfsystem wird, mussten mehrere Komponenten angepasst werden. Dazu zählen eigene Kabel, spezielle Steckverbindungen, die Wasserversorgung für die Ultraschallkopplung, Befestigungen sowie Prüfkopfaufnahmen für definierte Prüfkopfwinkel und Querfehlerprüfung.
Diese Details sind entscheidend. Denn bei automatisierten oder mechanisierten PAUT-Prüfungen muss der Scanner die Prüfköpfe reproduzierbar über die Naht führen; Position, Winkel und Abstand zur Referenzlinie müssen während des Scans stabil bleiben.
Ultraschallkopplung und kameraunterstütze Schweißnahtprüfung
Eine besondere Rolle spielt die Wasserkopplung. Ultraschall benötigt ein Kopplungsmedium, damit die Schallwellen zuverlässig vom Prüfkopf in das Bauteil gelangen.
Bei automatisierten Systemen wird die Wasserversorgung deshalb zur Qualitätsfrage. Zu wenig oder ungleichmäßig verteiltes Wasser kann die Signalqualität beeinträchtigen. Eine stabile Kopplung hingegen unterstützt reproduzierbare Prüfdaten. Hersteller vergleichbarer Systeme setzen deshalb auf Couplant-Manifolds oder kontrollierte Wassersäulen, um die Kopplung zu verbessern.
Auch die Kameraführung ist mehr als ein Komfortmerkmal. Der Rover wird ferngesteuert betrieben und das Prüfteam kann über die Kamera direkt auf die Schweißnaht schauen, um Auffälligkeiten im Scan mit der realen Nahtsituation abzugleichen. Das ist vor allem bei Decklagenanzeigen, angrenzenden Geometrien oder Einflüssen durch Orbitalnähte wichtig.
Besondere Anforderungen an ZfP an Großrohren
Warum ist diese Lösung für die Pipelines des Projektes so relevant? Einerseits sind Rohre mit ca. 2,20 m Durchmesser für viele Pipeline-Prüfkontexte außergewöhnlich groß. Andererseits müssen die Prüfungen unter realen Baustellenbedingungen funktionieren.
Qualität entsteht eben nicht nur durch hochwertige Messtechnik, sondern durch die Fähigkeit, die Technik so einzurichten und zu nutzen, dass sie stabil, effizient und reparierbar arbeitet. Dazu gehört auch die Feldlogistik. Das eigens für den Baustelleinsatz ausgebaute Kfz dient als robuste Arbeitsbasis für Wasser, Stromversorgung und Equipment.
Genau darin liegt der eigentliche Innovationswert unserer Arbeit: Nicht jedes (Einzel-)Teil ist neu. Neu ist die Kombination aus Prüftechnik, Rover- und Kfz-Anpassung, Feldversorgung, Erfahrung mit typischen Fehlerquellen und praktischer Umsetzungskompetenz.

„Der Mehrwert liegt in der Kombination aus Erfahrung, Kenntnis typischer Fehlerquellen und robuster praktischer Umsetzung.“
Diese Erfahrung lässt sich nicht einfach kopieren. Technische Datenblätter beschreiben Scanner, Prüfköpfe und Zubehör. Die zuverlässige Anwendung entsteht aber erst durch die richtige Konfiguration für die konkrete Schweißnaht, das konkrete Rohr, das konkrete Prüfverfahren und die konkrete Baustelle.
Beim Einsatz des modifizierten Rovers in diesem Projekt zeigt sich deshalb sehr gut, was moderne ZfP im TIC-Business (TIC=Testing, Inspection, Certification) ausmacht: Normgerechte und dokumentierbare Prüftechnik, kombiniert mit erfahrenem Personal, Feldwissen und einem System, das unter realen Bedingungen funktioniert.
Mit dem modifizierten Prüfrover leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung an einem Infrastrukturprojekt, das über Jahrzehnte wirken wird. Jede zuverlässig geprüfte Schweißnaht erhöht die Aussagekraft der Dokumentation und unterstützt die langfristige Betriebssicherheit.
Für Fragen zum Projekt:
Thomas Grabosch, stellv. Standortleitung
TÜV AUSTRIA Deutschland GmbH