TÜV AUSTRIA Deutschland sichert die Qualität der Rheinwassertransportleitung

01.07.2026

Zerstörungsfreie Prüfung für ein zentrales Infrastrukturprojekt

Die Rheinwassertransportleitung ist eines der zentralen Infrastrukturprojekte im Rheinischen Revier. Dabei entsteht unter anderem ein unterirdisches Leitungssystem aus über 9.000 Stahlrohren mit Durchmessern von 2,20 und 1,40 Metern.

Unser Beitrag zur Rheinwassertransportleitung beginnt dort, wo man Qualität nicht mehr mit bloßem Auge beurteilen kann. Mit moderner Ultraschalltechnik, manueller Oberflächenrissprüfung und einem erfahrenen Team vor Ort schaffen wir die Grundlage für belastbare Prüfergebnisse und eine verlässliche Dokumentation.


Wir sorgen für langfristige Betriebssicherheit

Die Fertigstellung ist nach einer Bauzeit von rund fünf Jahren vorgesehen. Danach soll die rund 45 Kilometer lange Leitung unter anderem zur Befüllung des Hambacher Sees und des Garzweiler Sees, zur Versorgung umliegender Feuchtgebiete und zur Stabilisierung der Grundwasserverhältnisse beitragen. Dieser Prozess wird sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken, denn der Zielwasserspiegel wird voraussichtlich erst um 2070 erreicht.

Die jetzt neu verlegten Rohrleitungen müssen also nicht nur beim Einbau zuverlässig dicht sein, sondern das über eine lange Zeit bleiben. Jede geprüfte Schweißnaht ist ein Beitrag zur langfristigen Betriebssicherheit dieses Projekts. Genau hier kommen wir mit unserer zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) ins Spiel.


Unser Beitrag zum Projekt „Rheinwassertransportleitung“

Für das Projekt sind wir aktuell in einem ersten Baulos im Einsatz. Dieses Los umfasst den Anschlussbereich in Richtung Tagebau Hambach und läuft für uns voraussichtlich rund 1,5 Jahre. Insgesamt ist das Großprojekt in zwölf Baulose gegliedert.

Laut der Pressemitteilung von LEONHARD WEISS wird das betreffende Los in einer Arbeitsgemeinschaft bestehend aus LEONHARD WEISS, MAX STREICHER und Epping Rohvertrieb umgesetzt. Die Arbeiten betreffen eine rund 6,7 Kilometer lange Trasse.

MAX STREICHER, der Spezialist im Rohrleitungs- und Anlagenbau, hat uns mit der Aufgabe betraut, die Schweißnähte an den Rohren zu prüfen, bevor sie im Boden versenkt werden.

2026_TÜV AUSTRIA Deutschland_Rheinwassertransportleitung_Rohrleitung

Das gesamte Leitungssystem besteht aus über 9.000 Stahlrohren mit Durchmessern von 2,20 und 1,40 Metern.


Spezielle Prüftechnik für besondere Anforderungen

Ultraschallprüfung wird im ZfP-Bereich eingesetzt, um Inhomogenitäten im Querschnitt und an Oberflächen schallleitfähiger Werkstoffe zu erkennen. Je nach Prüftechnik können Lage, Form und Größe von Anzeigen bewertet werden.

Wir haben speziell für dieses Pipelineprojekt ein Prüfsystem entwickelt, das mehrere Prüfmethoden in einem Durchgang kombiniert. Der Rover, der ursprünglich aus dem Lagertank-Prüfbereich stammt, fährt direkt auf dem Rohr, sitzt auf Magneträdern und ermöglicht die Prüfung ohne aufwendige zusätzliche Schienenmontage. Das spart Rüstzeit auf der Baustelle und macht den Prüfablauf deutlich effizienter.

2026_TÜV AUSTRIA Deutschland_Rheinwassertransportleitung_Setup Rover
2026_TÜV AUSTRIA Deutschland_Rheinwassertransportleitung_Prüfung Rover

Der Leitungsbau erfolgt am aktuellen Abschnitt in offener Bauweise. Der Rover ermöglicht die Prüfung ohne aufwendige zusätzliche Schienenmontage.

In einem Prüfdurchgang kombinieren wir damit mehrere Ultraschallverfahren:

  • TOFD – Für eine präzise Bewertung der Schweißnaht
  • Phased Array – Bildgebende Ultraschallprüfung mit elektronischer Strahlsteuerung
  • Konventionelle Ultraschallprüfung – Klassisches Impuls-Echo-Verfahren zur Erkennung und Bewertung von Reflektoren im Schweißnahtbereich

TOFD ist ein hochpräzises zerstörungsfreies Ultraschallverfahren zur Schweißnahtprüfung. Es nutzt gebeugte Schallwellen an Fehler- oder Rissspitzen. Dadurch eignet es sich besonders gut, um Ungänzen, also eine Abweichung vom Idealzustand der Schweißnaht, in ihrer Lage und Ausdehnung zu erfassen.

Ergänzend setzen wir Phased Array Ultraschallprüfung ein. Bei diesem Verfahren arbeitet der Prüfkopf nicht nur mit einem einzelnen Schwinger, sondern mit vielen kleinen Ultraschallelementen. Diese Elemente werden zeitlich versetzt angesteuert, sodass der Schallstrahl elektronisch geschwenkt und fokussiert werden kann. Die Schweißnaht kann so aus unterschiedlichen Winkeln erfasst werden und Anzeigen lassen sich bildgebend darstellen und digital dokumentieren.

In unserem Fall ist die Kombination aus TOFD, Phased Array und konventioneller Ultraschallprüfung besonders wertvoll. Die Verfahren ergänzen sich gegenseitig und liefern gemeinsam ein umfassendes Bild der Schweißnahtqualität.


Manuelle Oberflächenrissprüfung für zusätzliche Sicherheit

2026_TÜV AUSTRIA Deutschland_Rheinwassertransportleitung_Manuelle Prüfung_II

Die Magnetpulverprüfung macht Oberflächenrisse und oberflächennahe Fehlstellen sichtbar.

Neben den Ultraschallprüfungen führen wir auch manuelle Oberflächenrissprüfungen, beispielsweise mittels Magnetpulverprüfung, durch. Dieses Verfahren eignet sich für ferromagnetische Werkstoffe und macht Oberflächenrisse und oberflächennahe Fehlstellen sichtbar. Dafür wird der Prüfbereich magnetisiert. Sind Risse vorhanden, entsteht dort ein Streufeld, an dem sich Magnetpulver sammelt und die Anzeige sichtbar macht.

Gerade bei Schweißnähten ist die Kombination aus Volumenprüfung und Oberflächenprüfung wichtig. Während die Ultraschallverfahren den inneren Bereich der Naht erfassen, liefert die Magnetpulverprüfung zusätzliche Sicherheit an der Oberfläche und im oberflächennahen Bereich.


Unser kompetentes Team vor Ort

Die Projektleitung liegt bei Jens Keil, während Andreas Weikum, Leiter der Sonderprüftechnik, die Prüfaufsicht übernimmt. Olaf Wolschke war als Key Account Manager bei Projektstart eingebunden. Thomas Grabosch hat seine wertvolle Erfahrung aus dem Pipeline-Bereich bei der Modifizierung des Rovers mit eingebracht. Als ZfP-Prüfer/innen sind unter anderem Fernanda Santiago Barth, Timon Wagner sowie Dominik Winkens aus dem Bereich NDT-West des TÜV AUSTRIA in Deutschland vor Ort.

Geprüft wird tagsüber, da die Arbeiten im Außenbereich stattfinden und die Natur im Baustellengebiet geschützt werden soll. Ein typischer Prüftag auf der Baustelle umfasst rund zehn Stunden voller Technik, Teamarbeit und jeder Menge Baustellenrealität.

Für unser Team ist der Einsatz an der Rheinwassertransportleitung aber mehr als ein klassischer Prüfauftrag. Ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung erfordert nicht nur moderne Prüftechnik, sondern vor allem Erfahrung, Sorgfalt und ein eingespieltes Zusammenspiel auf der Baustelle. Genau das bringen unsere Kolleg/innen vor Ort ein: technisches Know-how, Flexibilität und den Blick für jedes Detail.

Gerade bei einem Projekt dieser Dimension zeigt sich, wie wichtig zerstörungsfreie Prüfung für die Qualitätssicherung ist. Unsere Arbeit macht sichtbar, was von außen nicht zu erkennen ist und schafft damit Vertrauen in jede einzelne Schweißnaht, in den Baufortschritt und in die langfristige Sicherheit der Rheinwassertransportleitung.


Für Fragen zum Projekt:

Andreas Weikum, Leiter der Sonderprüftechnik
TÜV AUSTRIA Deutschland GmbH

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